Molau, Papst und Williamson


Andreas Molau aus Groß-Denkte bei Wolfenbüttel hat seine Absicht aufgegeben, für den Bundesvorsitz der NPD zu kandidieren. Die NPD ist zur Zeit erfüllt von internen Machtkämpfen und der Klärung finanzkrimineller Parteiprobleme.
In einer Video-Botschaft nahm er Anfang Februar Stellung zur Diskussion um den Holocaust-Leugner Bischof Williamson. Seine Ansprache ist ein widerliches Gemenge aus Falschdarstellungen, seiner Leugnungs-Zurückhaltung und der Kombination historischer Tatsachen mit religiöser Gläubigkeit. Die Abgeordneten des Wolfenbütteler Kreistages sind gefordert, zu überlegen, wie sie in Zukunft mit einem Mann umgehen wollen, der bei Sitzungen unter ihnen sitzt und seine rassistischen Neigungen nur noch oberflächlich kaschiert.

Der folgende Text ist eine Abschrift seiner Video-Suada gegen die Wahrheit und gegen die freiheitlichen Werte der Bundesrepublik Deutschland. Der Holocaust-Leugner Williamson ermöglicht es potentiellen Leugnern, die sich wegen der Strafandrohung öffentlich nicht äußern, hinter Williamson zu verstecken, indem sie ihn wegen der weltweiten Kritik verteidigen.

Molau, der sich immer als sehr gut informiert darstellt, nennt Williamson in seiner Ansprache nur „Williams“. Wie verkleistert muß ein Gehirn sein, um nicht einmal den Namen des Gelobten verstanden zu haben?

„Die närrische Zeit rückt näher. Man merkt es deutlich. In Deutschland und um Deutschland herum streitet man über den rechten Glauben und bekehrt einander so als hätte es die Aufklärung nicht gegeben, ganz so, als hätte es eine Trennung von Kirche und Staat niemals gegeben.

Wer darf was glauben? Bischof Williams darf wieder glauben, und zwar im Schoße der katholischen Mutterkirche. Das hat ihm der deutsche Papst erlaubt. Damit hat Benedikt konservative und traditionalistische Gläubige wieder heim ins Reich der Kirche geholt.

Die Pius-Bruderschaft ist nämlich so frei, den christlichen Glauben wörtlich zu nehmen, während der Zeitgeist empfiehlt, die Bibel besonders nach Randgruppenbedürfnissen umzuschreiben. So soll der Papst nach Empfehlung bundesdeutscher Gutmenschen etwa die Verschwulung der Gesellschaft ebenso anerkennen wie den Massenmord an ungeborenem Leben. Benedikt weigert sich aber, so etwas zu unterstützen und er glaubt, was ihm seine Tradition aufträgt.

Das tut der erwähnte Bischof Williams auch, woran der Brite aber partout nicht glauben will, das ist der Grundpfeiler unserer Bundesrepublik, den anzukratzen an Landesverrat grenzt. Williams ließ verlauten, er glaube nicht an die Existenz von Gaskammern im Dritten Reich. Muß man daran glauben, fragt man sich unwillkürlich?
Ein Blick ins Strafgesetzbuch zeigt schnell, man muß. Denn alles andere wird strafrechtlich verfolgt. Warum die Interpretation historischer Ereignisse überhaupt per Strafgesetz geregelt wird, erschließt sich zwar keinem vernünftigen Menschen im Land – aber wer fragt schon nach Logik.

Nun wurde Ketzerei im Mittelalter strengsten verfolgt. Die Scheiterhaufen loderten allerorten und brachten doch kein Licht ins Dunkel. Williams machte sich der modernen Ketzerei schuldig und wurde dafür aber lediglich ermahnt oder in Karikaturen als schwachsinnig dargestellt.

Der Papst zürnte und ermahnte, er glaube an den Holocaust. Das aber ist den Glaubenswächtern, insbesondere in Deutschland nicht genug. Allen voran der Zentralrat der Juden, der sich für die erste moralische Instanz hält, fordert harte Maßnahmen. Und die Frau Bundeskanzlerin Merkel macht Männchen. Sie gibt nun dem Papst Anweisung, er habe Williams wieder zu exkommunizieren. Das ist nett, eine alte FDJ-Propagandagenossin der DDR – war immerhin ein atheistischer Staat – gibt dem Papst Anweisungen. Demnächst wird noch gefordert werden, den Holocaust ins Glaubensbekenntnis der Kirche mit aufzunehmen.

Aber auch die Kirche trieb das Possenspiel weiter, auf ihre Weise. Die evangelische und katholische Kirche warnten davor, in Mecklenburg-Vorpommern NPD zu wählen. Was die Kirchenoberen dazu treibt, bleibt im Dunkeln. Etwa, weil Nationalisten sich als einzige in diesem Staat neben den Kirchen konsequent zu Lebensschutz und gegen Abtreibungen aussprechen?

Es ist Narrenzeit, und zwar dreihundertfünfundsechzig Tage im Jahr. Vielleicht sollte man die Wahlen ganz abschaffen. Es geht ja auch ohnehin noch kaum jemand hin. Stattdessen könnten die Gutmenschen ein Glaubensbekenntnis sprechen lassen: Ich glaube an die multikulturelle Gesellschaft, ich glaube an die Globalisierung, ich glaube, dass Homosexuelle die besseren Menschen sind und gegenderte geschlechtslose Menschen die Zukunft. Bei freien Wahlen könnte dieser Unsinn nämlich bald mal die gehörige Quittung bekommen. Wir Nationalisten, die wir lieber wissen als glauben, sollten daran arbeiten.“


Die Nazis kämpften gegen eine „Verjudung der Gesellschaft“. Dieser Kampf endete im Massenmord, den Williamson leugnet.
Molau kämpft gegen die „Verschwulung der Gesellschaft“. Was tun wir dagegen?

Die Website des NPD-Unterbezirks Braunschweig enthält diesen Aufruf:

Darunter befindet sich dieser Text:

Die Hermannsschlacht: 2000 Jahre Kampf gegen Überfremdung – für nationale Selbstbestimmung.

“Von Anbeginn an ist die Geschichte unseres deutschen Volkes geprägt vom Kampf um sein Dasein. Vor 2000 Jahren war es der römische Imperialismus, der unsere germanischen Vorfahren ihrer nationalen Selbstbestimmung und ihrer kulturellen Eigenart berauben wollte. Doch diese ließen sich von der feindlichen Übermacht keine Fremdherrschaft aufzwingen, sondern befreiten sich unter Führung Hermann des Cheruskers von ihren Ketten durch einen gewaltigen Befreiungsschlag – die Schlacht im Teutoburgerwald.
Ein kleines Volk, geschart um einen großen Führer, zwang ein Weltreich in die Knie. Heute sind es der globale Kapitalismus, der US-Imperialismus und die Überfremdung unseres Landes durch Ausländer, welche unser Volk in seiner Existenz bedrohen.
Damals wie heute ist unser Volk in seinem Dasein bedroht.
Damals wie heute haben wir als Volk nur die eine Wahl: Dieser tödlichen Bedrohung mutig entgegenzutreten oder unterzugehen.
Damals wie heute gilt es alle Eigen- und Parteiinteressen zu überwinden und als einiges Volk von Brüdern den Kampf um Freiheit und Dasein unserer Nation aufzunehmen. Damals wie heute kommt es auf jeden einzelnen – also gerade auf Dich – an!
Zeig den Feinden Deines Volkes, dass Deutschland und sein Urmythos – Hermann der Cherusker – in Dir noch lebt.

Deshalb setzt ein kraftvolles Fanal für Deutschlands Wiedergeburt und lasst die Wahrheit des Mythos sprechen.“

Einer der Redner auf dieser Veranstaltung, zu der sich die Teilnehmer am Hauptbahnhof Osnabrück treffen, ist auch Andreas Molau.

Die Veranstaltung und der Aufruf dazu machen deutlich, wie die Geschichte der Schlacht gegen die Römer durch die NPD verfälscht und missbraucht wird. Molau und seine Gefolgschaft nehmen sich offenbar die Nazis als Vorbild, die in gleicher dümmlicher Weise Gestalten deutscher Kultur für ihre rassistischen Absichten missbraucht haben: Hermann den Cherusker, Till Eulenspiegel, Lessing, Wilhelm Raabe u.v.a.m.

Hermann der Cherusker stand zunächst in römischen Kriegsdiensten und erhielt das römische Bürgerrecht. Nach Kämpfen (seit 17 n. Chr.) gegen den Markomannenkönig Marbod wurde Arminius von Verwandten ermordet. Soviel zu dem „germanischen Helden“.

Der von der NPD genannte 2000jährige Kampf gegen Überfremdung“ hat gar nicht stattgefunden. Im Gegenteil. Die deutschen Länder und schlichtweg Europa wären ohne Zusammenarbeit wirtschaftlich, kulturell und politisch überhaupt nicht entwicklungsfähig gewesen. Ausländer hat es immer in allen Ländern gegeben. Die Einwohner mancher Länder hatten z.B. spezielle Kenntnisse, die sie in anderen Ländern einsetzen. Nur ein Beispiel: Ohne die wassertechnischen Fähigkeiten der Holländer wäre manche Stadt oder manches Ländchen „abgesoffen“ und nicht kultiviert worden. Oder: Fast jeder, der sich ein wenig mit Geschichte befasst, kennt die Bedeutung der französischen Hugenotten z.B. für die wirtschaftliche Entwicklung Preußens.

Das, was die NPD hier zu inszenieren versucht, ist schlichtweg dumpfe Dummheit! Derartige Dumpfheiten kennen wir aus der Nazizeit. Hier ein kleiner historischer Beitrag aus Wolfenbüttel im Mai 1932:

Auf Einladung der Wolfenbütteler Kulturvereinigung der NSDAP und deren Leiters, des Buchhändlers Hugo Schumacher, hatte Groß (Anmerkung 1) im Mai 1932 einen Vortrag zum Thema „Politik und Rasse“ im Bayerischen Hof vor Mitgliedern und zahlreichen Gästen gehalten. Zunächst habe er kurz die Entwicklung der Rassenkunde bis zur modernen anthropologischen Wissenschaft aufgezeigt und sei mit einem Zitat von Eugen Fischer (Anmerkung 2) fortgefahren: „Es gibt nicht Menschen schlechthin, sondern nur Menschen einer bestimmten Rasse oder Rassengemeinschaft, das gilt für das Körperliche und das Geistige“. Groß weiter: „Die Rassenfrage greift tief in alle Fragen des Seelischen ein“. Der Abstieg der griechischen Kultur, die aus dem Norden stamme, sei durch ein „Eindringen demokratischer Tendenzen der artfremden Rasse“ ausgelöst worden: Ebenso wird im römischen Staate durch das Einschieben des syrisch-semitischen Blutes der Untergang vorbereitet. Tacitus habe die Germanen als körperlich und seelisch gesund und makellos geschildert. Doch „fremde Elemente“ hätten in Deutschland Einzug gehalten und „zersetzend auf die deutsche Art und deutschen Geist“ gewirkt. Das Blut des Abendlandes drohe zu versickern, und langsam lagere sich darüber die Schlammflut des Artfremden: „Es ist kein Zweifel, daß das Fremdblütige auch auf unseren Universitäten herrscht und uns eine falsche wirtschaftliche Denkweise lehrt“.

Anmerkung 1:
Dr. Walter Gross arbeitete als Assistenzarzt im Landeskrankenhaus Braunschweig. 1925 trat er der NSDAP bei und war ab 1932 Mitglied der Reichsleitung des Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebundes. 1933 begründete und leitete er das Aufklärungsamt für Bevölkerungspolitik und Rassenpflege, das 1934 in das Rassenpolitische Amt der NSDAP ingeriert wurde. 1942 avancierte er zum Leiter dieser Abteilung und zum Chef der Abteilung Naturwissenschaft im außenpolitischen Amt der NSDAP, das Alfred Rosenberg leitete, „dem führenden, Rassismus predigenden NS-Theoretiker und Kulturpropagandisten“. Gross wurde einer der fanatischsten und zugleich einflußreichsten Befürworter der NS-Rassendoktrin; in einem Vortrag am Institut für das Studium der Judenfrage äußerte er sich, „unwiderruflich sei die Todesstunde des europäischen Judentums gekommen“. Zusätzliche Anmerkung: Molau ist der Autor einer „politischen Biografie“ des o.g. Alfred Rosenberg.

Anmerkung 2:
Eugen Fischer, Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik in Berlin, „eines der Hauptverbreitungszentren rassenhygienischen Ungeistes.“